Review: Mountain Equipment Xero 350

Im letzten Sommer stand eine einwöchige Tour in die Silvretta auf dem Plan. Da ich davor nur mit einem Synthetikschlafsack oder einem recht großen, klobigen und schon in die Tage gekommenen Daunenschlafsack unterwegs war, musste mal ein neuer her. Die Wahl fiel letztendlich auf den Mountain Equipment Xero 350, der dann auch eine Woche vor Abfahrt seinen Weg zu mir fand.

Ich besitze den Schlafsack jetzt seit Juli 2012 und hatte ihn bisher ca. 50 Nächte im Einsatz. Er war im Sommer auf 2 Touren in den Alpen, im Herbst in den französischen Pyrenäen und auf einem Gipfelbiwak im Fichtelgebirge. Naja und im Februar war er dann auch auf dem Israel National Trail und in der Wüste dabei. 10 der Nächte war er im Zelt und etwa 40 Nächte wurde er als Biwak-Schlafsack genutzt.

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Eigenschaften

  • Länge: 185cm. Die hab ich auch. Und darum passe ich auch genau noch rein. Da ich allerdings Seitenschläfer bin und mit leicht angewinkelten Beinen schlafe passt der Schlafsack super. Ansonsten wäre er mir ein paar cm zu kurz.
  • Gewicht: 790g
  • Temperaturbereich: comfort +5° | limit
  • 350g Gänsedaune: 750+ cuin; Mischverhältnis 93/7
  • Außenstoff: He30, winddicht
  • Elastische Nähte
  • Mumienform

Praxistest

Der Xero war unter vielen verschiedenen Bedingungen im Einsatz. Im Zelt gab es auch eine Nacht unter dem Gefrierpunkt, was ich erst am nächsten morgen durch gefrorenen Reif an der Aussenwand bemerkte. Trotz der Tatsache, dass ich Skiunterwäsche in dieser Nacht trug, bin ich der Meinung, dass Mountain Equipment mit den Temperaturangaben nicht übertrieben hat. Vorallem da mir eher schneller kalt wird. Absolut überzeugt haben mich die elastischen Nähte, die einen engen Schnitt und damit wenig überschüssige, zu erwärmende Luft garantieren (siehe die nächsten beiden Bilder). Zugleich fühlt man sich aber auch nie eingeengt, da der Schlafsack bei jeder Bewegung etwas nachgibt. Insbesondere für mich als Seitenschläfer ist es sehr angenehm, dass man auch mit angewinkelten Beinen schlafen kann.

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Hier ist der stretch der Nähte zu sehen

xero3Das Außenmaterial ist trotz der Tatsache, dass es recht filigran wirkt robust und solange man den Schlafsack einigermaßen pfleglich behandelt sollte es auch keine Probleme geben. Außerdem ist es laut Hersteller winddicht. Die Temperatur leidet jedoch deutlich bei Wind. Auf dem Israel National Trail habe ich ausschließlich unter freiem Himmel und ohne Biwaksack, oft an exponierten, windigen Plätzen geschlafen und im Gegensatz zum Zelt ist die Temperatureinbuße erheblich. Grob geschätzt verliert der Schlafsack bei mäßigem Wind (2-3 Beaufort) 5° an Wärmeleistung. Als Schwachstelle stellte sich der Reißverschluss heraus, an dem trotz gut gelungener Abdeckleiste ein schwacher Luftzug zu spüren war. Den Wärmeverlust würde ich aber weniger einer Fehlkonstruktion, als der Natur des Windes zuschreiben. Man könnte auch einen Biwaksack verwenden um den Effekt zu vermeiden.

Trüber Himmel

Trüber Himmel

Die Kapuze ist vernünftig konstruiert, ohne besonders herauszustechen. Macht aber das was sie soll. Der Wärmekragen ist ebenfalls gut konstruiert und lässt sich soweit schließen, dass kein Luftzug mehr durchkommt – auch bei Wind nicht. Der Schlafsack lässt ab und an eine Daune an der Naht, insgesamt ist der Verlust aber im Rahmen und vergleichbar mit anderen Schlafsäcken.

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David hat auch schon einige Nächte im Xero 350 verbracht und meint dazu folgendes:

DavidWas soll ein Schlafsack können? Nachts soll er dafür sorgen dass Ich nicht den Drang verspüre das Zelt anzuzünden um mich kurz aufzuwärmen, und, tagsüber soll er mich so wenig wie möglich belästigen, sprich: Leicht und klein soll er sein! Daune sei Dank erledigt er seine Aufgaben auch anständig. Bei einer Übernachtung in 1000m Höhe auf einem Aussichtsturm in der fränkischen Schweiz Mitte Herbst habe Ich jedoch an der Winddichtigkeit etwas gezweifelt. Zwar war der Xero kein Windkanal, aber die Temperatur ist unglaublich stark gesunken; Man muss jedoch auch dazu sagen: Er ist nunmal kein Waterbloc und die meisten anderen Schlafsäcke stoßen dort ebenso an ihre Grenzen. Unter normalen Bedingungen ist der Xero aber ein Könner. Dass ME es hier geschafft haben unter Zuhilfenahme von so wenig Daune so viel Wärmeleistung rauszuschlagen ist beachtlich! Das daraus resultierende geringe Gewicht ein weiteres Schmankerl. Alles in Allem war Ich mit dem Schlafsack auf unserer Tour wirklich zufrieden. Gegen meinen Carinthia Airpack 600 würde Ich Ihn nicht tauschen, hätte Ich den Airpack aber noch nicht und wollte mir noch einen 3-Jahreszeiten Schlafsack kaufen, müsste Ich wohl länger als ein paar Nächte darüber(darin) schlafen.

Was hat sich in der neuen Xero Reihe geändert?

Auf Anfrage meinerseits bei Mountain Equipment, ob sich außer der Daunenqualität noch etwas geändert hat (die mittlerweile mit 850+ cuin angegeben ist) bekam ich folgende Antwort:

The down quality hasn’t actually changed, we’ve just started describing it as what it is, for several years our guarenteed minimum fill power figure has been well below the actual level in the bags. The new Xero bags now have ground level seams and our improved Alpine fit, both of which make the bags a little more efficient.

Ground level seams sind Nähte, die näher zum Boden gerückt wurden. Damit sind die Nähte an der Oberseite länger, wodurch Kältebrücken an der Seite vermieden werden. Also hat sich außer neuen Nähten und einem geringfügig veränderten Schnitt nicht viel geändert. Leider gibt es den Xero 350 nun nicht mehr, das Nachfolgemodell heisst Xero 300, hat 50g weniger Daune und ist trotzdem mit Limit 0° angegeben. Vom very british understatement bei den Temperaturen ist dann aber vermutlich nicht mehr viel übrig geblieben.

Fazit

Top 3-Jahreszeiten Schlafsack, der besonders wegen der elastischen Nähte überzeugt. Gutes Gewicht zu Wärme Verhältnis bei realistischer Temperaturangabe des Herstellers. Der Schlafsack ist auf meiner Packliste gesetzt, es sei denn es wird sehr kalt (deutlich unter 0°) oder sehr lau (mehr als 15° Nachttemperatur).

Die Konkurrenz

Bei Kaufentscheidungen auch immer wichtig: Was gibt es sonst noch?

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2 Antworten zu “Review: Mountain Equipment Xero 350

    • Hallo Hendrik,
      freut mich, dass es dir geholfen hat!
      Nehmt ihr den Schlafsack jetzt in euer Sortiment, oder war das rein privates Interesse? 😉

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